Gestern war ich nach langer Zeit mal wieder im Kino. Was bietet mir das Kino heutzutage? Neben einem Aufschlag für die Reservierung von Plätzen vor allem eins: Massenhaft Produktvorstellungen – gemeinhin auch als Werbung bezeichnet.
Manche Werbung ist ja ganz lustig anzusehen (manche auch nicht), aber geschätzt eine Dreiviertelstunde Dauerwerbung am Stück ist einfach viel zu viel und alleine deswegen höchst langweilig. Der Film hat doch eh Überlänge und das wird doch hoffentlich nicht an dem ewig langen "Werbevorspann" liegen, oder?
Okay, komme ich mal zum Hauptthema, der neuesten Episode aus der Bond-Serie. Ich bin nicht so sehr der James-Bond-Anhänger, kenne nicht alle Filme auswendig und könnte auch nicht alle Bond-Darsteller nacheinander aufzählen; aber ein Bond-Film bringt immer gewisse Elemente mit, auf die man sich eigentlich immer verlassen kann. Eigentlich. Normalerweise.
"Casino Royale" ist anders als die bisherigen Bond-Filme. Das merkt man schon beim Vorspann, wo der übliche Stil zwar beibehalten wurde, aber keine einzige Silhouette einer Frau zu sehen ist. Okay, vielleicht soll das darauf hinweisen, dass James Bond zu Beginn seiner Karriere eben nicht der Frauenheld ist, zu dem er sich erst später entwickelt hat.
Der Streifen begann vielversprechend: Eine wilde Verfolgungsjagd mit sensationellen Freerunning-Elementen, ja, das war ganz nach meinem Geschmack. Im Anschluss dann massenhaft Ballerei, typisch Bond.
Aber grade in der Schlussphase des Films (oder vielmehr habe ich mir nur gewünscht, es wäre bald Ende, doch kam dann jedesmal noch eine weitere Szene) herrschte eine ganz andere Art und Weise der Schauspielkunst vor: Sinnfreie Dialoge aus dem Weichwaschspülgang. Turteln wäre nett, Romantik schön, aber das war einfach total daneben. Und ich schätze mal, dass man das nicht mal auf die deutsche Übersetzung schieben kann...
Der beste Satz, den ich unbedingt zitieren wollte, lautet übrigens: "Wenn von Dir nichts mehr übrig wäre außer deinem Lächeln und dein kleiner Finger, dann würde ich Dich immer noch so sehr lieben... [bla bla bla]". Ich denke, nun kann wirklich jeder meine Kritik nachvollziehen.
Also der Film hatte seine Längen (platte Dialoge und meiner Meinung nach zu viel Pokern – wen das interessiert, der kann das doch beispielsweise auf DSF verfolgen, in einem Spielfilm war das für mich zu viel). Dass Q nicht mit von der Partie ist und die Gadgets in Form von
Es gibt auch gute Seiten: Der neue Bond blutet viel, das ist okay. Der neue Bond ist schlagfertig im Gespräch, das kommt charismatisch an. Der neue Bond macht sein Ding, das ist glaubwürdig.
Aber wieso hat keiner die Story richtig aufgesetzt? Neben der Tatsache, dass der Auftrag wohl nicht besonders aufregend ist (böser Mann will beim Pokern Geld ansammeln - Bond verhindern Sie das) stört dabei vornehmlich die Integration des Streifens in das Gesamtbild. Erzählt werden soll die Vergangenheit, wie Bond zu dem Agenten wurde, der er heute ist. Aber warum spielt dann alles in der Jetzt-Zeit (zum einen wird genannt, dass der Kalte Krieg vorüber ist, und die Terroranschläge vom 11. September 2001 werden erwähnt, zum anderen deuten vornehmlich die topaktuellen elektronischen Geräte wie z.B. Mobiltelefone eindeutig auf einen sehr aktuellen Zeitpunkt hin)? Mir drängt sich der Gedanke auf, dass das wegen den tollen neuen Mobiltelefonen, Autos und Uhren sein musste, die man unbedingt zeigen wollte. Schade, denn dadurch wird verhindert, dass sich ein konsistentes Gesamtbild ergibt.
Das Ergebnis ist für mich ein im Filmverlauf leider immer weiter nachlassender Versuch, zu unterhalten. Hinsichtlich der "Romantik-Szenen" noch schlimmer als "Mission Impossible II", hat dieser Film nicht meine Erwartungen von einem Bond-Streifen getroffen.
Immerhin ein halbwegs action-haltiger Film in den weihnachtlichen Zeiten, die anscheinend von Fantasy-Epen nur so überschwemmt werden ("Die Chroniken von Narnia" habe ich gestern zwar nicht als Trailer gesehen und auch "Harry Potter" ist wohl erst nächstes Jahr wieder im Kino zu sehen, allerdings ist mit "Eragon" wieder ein Fantasy-Kino-Ereignis für die ganze Familie in drei Teilen für die nächsten Jahre am Start).
Wer noch mehr über "Casino Royale" wissen will, kann zum Beispiel unter http://www.gmx.net/de/themen/unterhaltung/film/film-der-woche/3227986,page=1.html weiterlesen.
Fazit: Ich war nicht gerührt, sondern es hat mich eher geschüttelt (2 Sterne von 5 möglichen),
der pes
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